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Häusergeschichten: Das Weberhäusl am Draht Häusergeschichten: Das Weberhäusl am Draht

Häusergeschichten: Das Weberhäusl am Draht

i 13. März von Ursula Beyer

Das eher unscheinbare Weberhäusl am Draht in Pfaffenhofen ist mittlerweile sogar auf Wikepedia und YouTube zu finden - unvorstellbar in der Zeit, in der das schlichte Haus entstand. Der Straßenname hat nichts mit dem Metalldraht zu tun, sondern kommt von "treten". Die "Trat" war Weideland.

Schon zur Zeit des 30-jährigen Krieges stand hier eine Behausung, die wohl 1704 abbrannte, als in den Wirren des span. Erbfolgekriegs die Vorstadt angezündet wurde, weil die Stadt die Tore nicht öffnete. Bei Ausgrabungen wurden am Fundament die Brandspuren gefunden, und dendrochronologische Untersuchungen an den Dachbalken haben ergeben, dass das Holz im Winter 1704/1705 geschlagen und "saftfrisch" verarbeitet wurde. Das Weberhäusl ist also über 300 Jahre alt.

Es ist eines der letzten erhaltenen Greddachhäuser, das sind typisch nordbayerische Kleinbauernhäuser. Gred-dach-häuser sind gekennzeichnet von einem überstehenden Dach über der "Gred". Die Gred ist die gepflasterte, breite Stufe entlang der Eingangsseite des Hauses. Hier konnte man z. B. seine schmutzigen Schuhe und Stiefel ausziehen, wenn man von der Stall- oder Feldarbeit kam, und sie im Schutz des Vordachs stehen lassen. Der typische kleine Anbau diente ursprünglich als "Austragshäusl", in dem die Alten ihren Lebensabend verbringen konnten, wenn die nächste Generation übernommen hatte.

Das Weberhäusl haben in der Vergangenheit immer einfache Leute bewohnt: sogenannte "Tagwerker", die bei fremden Bauern für Lohn arbeiteten, auch ein Webergeselle, ein Spenglergehilfe und zuletzt eine Schneiderin. Danach nutzte die Stadt es als Archiv, und als sie es 2008 verkaufen wollte, fand sich eine Liebhaberin, die mit alten Dingen Erfahrung hat: die Restauratorin Maria Cetinbas. Sie hat das Haus mit viel Geduld vorbildlich restauriert und wurde dafür zweimal mit renommierten Preisen ausgezeichnet: mit dem Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung und dem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege.

Schon dreimal hat sie am Tag des offenen Denkmals Ihr Haus für Besucher geöffnet. Die konnten endlich ihre Neugier stillen und waren sehr beeindruckt von der liebevollen Restaurierung und der freundlichen Atmosphäre.

Wer einen Blick ins Innere werfen möchte, kann dies tun auf unserer Galerie und auf You Tube

Quellen:

Denkmalliste/Bayerischer Denkmal-Atlas des BLfD
• Frieder Leipold: Das Weberhäusl ist 100 Jahre älter als vermutet. Pfaffenhofener Kurier, 17.3.2011
• N.N.: Historische Wertigkeit freigelegt. Pfaffenhofener Kurier, 4.12.2014
• Hans Kratzer: Wie denkmalgeschützte Bauten eine Zukunft haben. www.sueddeutsche.de, 13.10.2016
• Heinrich Streidl: Häuserchronik der Stadt Pfaffenhofen a.d.Ilm. Pfaffenhofen 1982

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